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12 mars 2005
Neue Presse
Siegfried Barth
Busch zeigt Kinder im Kulturschock
Kulturschock im Wilhelm-Busch-Museum. Damit muss mann rechnen, Gottfried Helnwein kommt.
Hannover. SS-Offiziere besichtigen Maria und das Jesus-Kind. Die Weisen aus dem Morgenland? Das fotorealistische Gemälde hat dem Künstler viel Ärger eingebracht, mit den Nachfahren eines der Offiziere. Verhindern konnten sie das provokante Werk aber nicht.

Kulturschocks wie dieser fühlen das Erdgeschoss, obwohl die Ausstellung den sanften Titel “Beautiful Children” trägt. Der gebürtige Wiener Helnwein, der jetzt in Irland lebt, ist von Kindern fasziniert, auf etwas andere Art als Michael Jackson. Er stellt sie als unschuldige, oft betörend schöne Opfer dar, belauert von Erwachsenen, die nur darauf aus sind, sie zu unterwerfen, zu verletzen, zu verstümmeln. Jedes Leben ist ein Kulturschock, wenn man erwachsen wird.
Bestechend sind Helnwein Techniken in Malerei und Fotografie. Oft kommen beide sich so nah, dass man sie nicht mehr unterscheiden kann. Wenn ein Betrachter ihm gesteht, dass ihn das verwirrt, sagt er: “Das freut mich!” Inmitten seiner Bilder sieht er aus, als hätte er sich selbst gemalt. Ein Man in Black, ein Alien oder Stadtindianer.
So sehen Popstars aus, und Helnwein ist auch einer. Im Obergeschoss spiegelt sich in mehreren Porträts und Montagen seine Zusammenarbeit mit dem Schockrocker Marilyn Manson. Hier zeigt Helnwein auch, wie hoch für ihn die so genannte Trivialkultur hängt: Carl Barks und Donald Duck, die ganze Disney-Welt der langen Ohren tobt sich aus, aber alles ohne Kompromisse, fotografiert oder gemalt in allerfeinster Qualität.
Das ist natürlich der klassische Stoff für ein Museum der kritischen Grafik, diese Busch-Schau geht jedoch darüber weit hinaus. Viele dieser fotorealistischen Werke haben ausgereifte Museumsqualität und sind echte Kunsthallen-Kaliber.
Eröffnung (mit den Künstler) So. 11.30 Uhr. Bis 12. Juni: Di.-Fr. 11-17, Sa. So. 11-18 Uhr.
I Walk Alone
mixed media (oil and acrylic on canvas), 2003




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