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23 juin 2005
Rheinische Post
Irmgard Bernrieder
Der Verletzte: Helnwein
Seine Kunst wurde ihm zur Waffe
Der Einzelgänger entzieht sich dem Kunstmarkt lebt und arbeitet in Irland und Los Angeles. Aus den eigenen Verletzungen erwuchsen Zorn und moralische Entrüstung. Seine Kunst wurde ihm Waffe, und so attackiert er Auswüchse der bürgerlichen Gesellschaft. "Es ist nicht mein Bild , vor dem sich die Leute fürchten, sondern ihre eigenen Bilder in ihren Köpfen" so stellt er fest.
Fire-Man
mixed media (oil and acrylic on canvas), 1991, 192 x 150 cm / 75 x 59''
Vollständiger Artikel: Archiv Rheinische Post
Erblindet, mit hochgerecktem, dandagiertem Kopf - so porträtiert Gottfried Helnwein sich selbst. Immer steht er sich als Versehreten der genug gesehen hat von dieser Welt aus der Freiheit und Schönheit verschwinden. Eingängig, dass er Caspar David Friedrichs Bild "Gescheiterte Hoffnung" in die Mitte eines Triptychons setzt, das zwei blutüberströmte Selbstbildnisse flankieren. "Das Stille Leuchten der Avantgarde" heisst diese Hommage an die Romantik.
Ganz am Anfang, so berichtet der scheu Künstler, habe ihn die Gewalt gegen Wehrlose getroffen. "Ich wollte verstehen, was da geschieht, deshalb bin ich Künstler geworden", so Helnwein im Gespräch am Rande der Ausstellung "Beautiful Children" in der Ludwig-Galerie Oberhausen. Die Schau, die in geringerem Umfang schon im Wilhelm-Busch-Museum Hannover zu sehen war, ist seit über einem Jahrzehnt seine erste Einzelausstellung in Deutschland.
Seine Kunst wurde ihm zur Waffe
Der Einzelgänger enzieht sich dem Kunstmarkt lebt und arbeitet in Irland und Los Angeles. Aus der eigenen Verletzung erwuchsen Zorn und moralische Entrüstung, seine Kunst wurde ihm Waffe und so attackiert er Auswüchse der bürgerlichen Gesellschaft. "Die Spiesser wollen, das alles so bleibt, wie es ist", so Helnwein. Der Künstler aber müsse seinen Finger in die Wunden legen.
"Es ist nicht mein Bild, vor dem die Leute sich fürchten, sondern es sind ihre eigenen Bilder in ihren Köpfen", so stellt er fest. Bestimmt von der Ästhetik der Comics und der Pop-Art, zieht sich seine Beschäftigung mit Kindern - ernst genommen in ihrem Anderssein und als Opfer Perverser - wie ein roter Faden durch das Schaffen des 57-Jährigen. Gottfried Helnweins Albtraumartige bedrückende Motive verwickeln der Betrachter und verunsichern ihn.
Verfremdungen brechen vermeintliche Gewissheiten auf, wenn etwa in einem Fotomotiv, das Hitler mit SS-Offizieren zeigt, der Diktator durch eine Mantelmadonna mit Jesuskind ersetzt wird. Das innere Leutchten altmeisterlicher Malerei liegt auch auf den jüngsten Breit.wand-Landschaften, die Helnwein in Irland schuf. Das gesamte Panorama ist auf einmal nicht zu erfassen. Indem der Blick wandert, vollzieht er jene Transformation die der Künstler ansonsten in mehrteiligen Bildern, Bildreihen und Verdichtungen darstellt. Gleichzeitig spielt er mit Un- und Überschärfe.




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